Ein Begriff macht Karriere

Im Jahre des Erscheinens dieser Broschüre gedenkt die Forstwirtschaft zugleich eines ihrer Begründer. Indem wir heute stolz verkünden dürfen, dass Deutschland „Waldmeister“ ist – mit rund 3,4 Milliarden Kubikmetern Holzvorrat die Nummer 1 in Europa – ist nicht zuletzt Männern wie Hans Carl von Carlowitz zu verdanken. Er formulierte 1713 in seinem Buch „Sylvicultura oeconomica, oder haußwirthliche Nachricht und Naturmäßige Anweisung zur wilden Baum-Zucht“ erstmals den Gedanken, dass die Bewirtschaftung der Wälder nachhaltig erfolgen solle, damit auch künftige Generationen Nutzen davon haben.
Holz war zu dieser Zeit eine zentrale Ressource für die Wirtschaft eines Landes. Nahezu alle Gewerbe, die Eisenindustrie, die Salzproduktion, die Herstellung von Glas waren auf eine ausreichende Holzversorgung angewiesen. Entsprechend hoch war der Nutzungsdruck und durch planlose Ausbeutung waren viele Wälder ausgeplündert. Daher formulierte von Carlowitz wie folgt: „Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse (im Sinne von Wesen, Dasein, d. Verf.) nicht bleiben mag.“ (S. 105–106 in der „Sylvicultura Oeconomica“). Mit dem neuen Begriff „nachhaltige Nutzung“, der damit verbundenen Denkweise und den daraus folgenden Konsequenzen für die Bewirtschaftung änderte sich der Zustand unserer Wälder langsam zum Besseren und für die folgenden Generationen von Forstleuten wurde die Nachhaltigkeit zum zentralen Berufsethos. Dabei erfuhren seine Inhalte einen steten Wandel. Ausgehend von einer reinen Nachhaltigkeit der Holzproduktion entwickelte sich bis heute ein umfassendes Verständnis von nachhaltiger Forstwirtschaft, das die dauerhafte Sicherung aller Leistungen unserer Wälder einschließt. Da diese Grundaussage auch die Erhaltung der Biodiversität mit einbezieht, sind heute auch vom Menschen unbeeinflusste Waldlandschaften wie die Nationalparks Bestandteil der nachhaltigen Waldentwicklung.
Der Rohstoffhunger unserer modernen Gesellschaft, angefeuert durch die stark wachsende Wirtschaft im asiatischen Raum, hat in der vergangenen Dekade für eine Renaissance der Holznutzung gesorgt. Dieser Umstand hat auch in Deutschland den Blick dafür geschärft, dass Holz zwar stetig nachwächst, jedoch nicht unbegrenzt verfügbar ist. In Deutschland können etwa 80 Millionen Kubikmeter Holz nachhaltig genutzt werden. Je nach Betrachtungsweise ist das relativ viel oder – mit Blick auf den Bedarf des Weltmarktes – relativ wenig. Ein sorgsamer Umgang mit dieser Ressource ist angesagt, sinnvollerweise mit einer Strategie, die möglichst hochwertige, umweltfreundliche und langlebige Produkte fördert. Das sind solche, die sozusagen die positiven Umweltwirkungen des Waldes in sich fortsetzen. Krönung dieser Strategie kann das Plusenergiegebäude aus Holz sein. Genau dafür setzt sich die rheinland-pfälzische Holzbau-Cluster-Initiative ein. (Text: Hannsjörg Pohlmeyer)